Schmerzensgeld
Der BGH musste letztinstanzlich entscheiden, dass nach einer anwaltlich
fehlerhaften Beratung kein Anspruch auf Schmerzensgeld besteht, denn
der Anwaltsauftrag sei nicht auf die Förderung der Gesundheit gerichtet
und dessen Schlechterfüllung führe deshalb auch nicht zu einer Haftung
für immaterielle Schäden (gesundheitliche Beeinträchtigungen) und damit
auch nicht zu einem Schmerzensgeld, BGH IX ZR 88/08. Dort hatte der
Kläger behauptet, durch die unrichtige Auskunft in Dauerpanik und in
seelische Auflösung geraten zu sein.
Spucken
In Frankreich ist nach Artikel 80-z2 des Dekrets 730 vom 22.3.1942 eine
Buße von 135 € fällig, wenn auf die Fläche einer Bushaltestelle
gespuckt wird.
Kontoabfragen
Nach der Bundestagsdrucksache 16/535 vom 6.2.2006 haben Behörden
zwischen dem 1. April 2005 von dem 31.1.2006 in 10.849 Fällen
Stammdaten von Konten von Bankkunden abgefragt.
Anwaltsschwemme
Zum 1.1.2011 gab es 155.679 zugelassene Rechtsanwälte und
Rechtsanwältinnen in der Bundesrepublik Deutschland. Das sind 2.428
Anwälte beziehungsweise 1,58% mehr als im Vorjahr. Damit hat sich der
Anstieg wie schon in den letzten Jahren weiter verlangsamt. 2010 betrug
die Steigerungsrate noch 1,91 %. Quelle: BRAK
Presseerklärung Nr. 5 vom 06.04.2011.
Ein
Gefängnisplatz in der Zelle
kostete im Jahr 2005
die Justizverwaltung in Deutschland 107,26 € (Personal 71,17 €,
Bewirtschaftung, Verpflegung und Gesundheit 14,77 €, Arbeitslohn für
Gefangene 6,67 €. Fahrzeuge und Geräte 0,27 € und Baumassnahmen 14,38
€). Ende November 2005 saßen 67.295 Menschen ein (Quelle: Ministerium
für Justiz, Arbeit und Europa, Schleswig- Holstein)
Am
1.4.1906
waren in Deutschland 27.046
Kraftfahrzeuge zugelassen, 15.954 Krafträder, 957 Lastwagen und 10.115
Pkw. Vom 1.10.1906 bis zum 30.9.1907 wurden 4864 Unfälle gezählt, bei
denen 145 Personen ums Leben kamen und 2419 verletzt worden. Der
Kraftfahrzeugbestand hat sich bis heute um das 2083-fache vergrößert.
Die Zahl der Todesopfer ist nur um das 37-fache gestiegen. Der Verkehr
ist also deutlich sicherer geworden.
1953: 4,8
Millionen Fahrzeuge und 12.631 Todesopfer,
1970: 20,8
Millionen Fahrzeuge und 21.332 Todesopfer,
2005: 56,3
Millionen Kraftfahrzeuge und 5.362 Todesopfer.
Dabei ist
insgesamt zu berücksichtigen, dass die je Fahrzeug zurückgelegten
Strecken um ein Vielfaches größer sind, als 1906. (Quelle:
Statistisches Bundesamt)
1991 lebten 44%
der Bevölkerung von Arbeit.
2004: 39%. Bei Männern
2004: 47%, 1991: 56%. Von 1991 bis 2004 stieg die Zahl der Menschen,
die ihren Lebensunterhalt durch Arbeitslosengeld oder Arbeitslosenhilfe
finanziert haben, um rund 120%. Von 1991 bis 2004 stieg die Zahl derer,
die von Rente oder Pension leben, um 28% auf 19 Millionen (Quelle
Statistisches Bundesamt)
Der Begriff
Hausanwalt gewinnt neue Bedeutung
Zum 1. Januar
2009 sind insgesamt 150.375 Rechtsanwältinnen und Rechtsanwälte
zugelassen, 3.464 oder 2,36 % mehr als 2008. 1985 gab es rund 47.000,
1995 gut 74.000. 2005 waren es über 132.000.
Angeberklausel:
"Rechtsanwalt/Rechtsanwältin xy und Kollegen", oft nur "kleine Angeber"
Die Zulässigkeit der Verwendung des Zusatzes „und Kollegen“ auf dem
Briefbogen oder sonst setzt voraus, dass mindestens zwei weitere
Gesellschafter, Angestellte oder freie Mitarbeiter namentlich
aufgeführt werden.
Die Verwendung des Zusatzes „und Kollegen“
dient oft nur der Täuschung rechtsuchender Bürger, weil oft unwahr.
AnwGH Celle BRAK-Mitt. 2003, 239; AnwGH Nordrhein-Westfalen 2 ZU 17,
18/05 (NJW- RR 2006 Heft 16). Der rechtsuchende Bürger soll vor der
Vortäuschung einer tatsächlich nicht vorhandenen Kanzleigröße geschützt
werden.
Die letzte Hinrichtung innerhalb
der Justizvollzugsanstalt Freiburg
erfolgte am
30.10.1924. Hingerichtet wurde der Doppelmörder namens Hundertpfund.
Anwesend waren 12 Zeugen und um 6:30 Uhr läuteten die Glocken der
Ludwigskirche.
Die letzte Hinrichtung des
Mörders Lucien Sittler mittels der Guillotine in Straßburg
erfolgte am 8.5.1937, und zwar öffentlich auf dem abgesperrten Trottoir
vor dem Gefängnis vor den Augen von ca. 100 Zuschauen um 4:30 Uhr.
Zuvor hatte er die traditionelle französische Henkersmahlzeit, eine
Zigarette und ein Glas Rum, erhalten. Als er am Fallbrett angebunden
wurde, hatte er die Zigarette noch im Mund. Der Henker, Anatole
Deibler, der von Paris gekommen war, hat 395 Todesurteile zwischen 1885
und 1939 vollstreckt, einige davon schon in Straßburg. Auch sein Vater,
Louis Deibler, war von 1879 bis 1899 Henker gewesen.
Unkenntnis
schützt vor Strafe nicht.
Rechtskenntnis der Bürger
ist eine notwendige Bedingung des Rechtsstaates. Gerichte verlangen,
dass der Bürger alle Gesetze kennt. In der Bundesrepublik gelten 2197
Gesetze und 46.777 Einzelvorschriften, 3131 Rechtsverordnungen mit
39.197 Vorschriften. Hinzu kommt das Recht der einzelnen Bundesländer,
der Landkreise und der Gemeinden. Im Land Hamburg gelten zur Zeit 323
Gesetze und 681 Rechtsverordnungen; überschlägig sind das 6000
gesetzliche und 7500 Rechtsverordnungsvorschriften. Außerdem gilt
europäisches Recht mit zur Zeit 997 Richtlinien und 2605 Verordnungen.
Der europarechtliche Normenbestand beläuft sich auf mehr als 100.000
Seiten. Quelle: Prof. Dr. Karpen in FAZ vom 11.7.2006.
Wird
dem Hauskäufer verschwiegen, dass die Vorbesitzer sich im Haus erhängt
haben,
kann der Kaufvertrag angefochten werden, OLG
Celle 16 U 38/07. Quelle: dpa.
Verlangt
ein Versicherungsnehmer von seiner Kaskoversicherung nach Diebstahl
seines Fahrzeuges Schadensersatz,
so bekommt er
diesen nicht, wenn er das Auto selbst aus gestohlenen Teilen
zusammengebaut hat, OLG Köln 24.4.2007 - 9 U 181/05.
Das
versteigern anwaltlicher Beratungsleistungen über eBay ist zulässig,
Beschluss Bundesverfassungsgericht vom 4.3.2007, AnwBl. 2008, 292.
Die absolute Fahruntüchtigkeit beim Fahrer eines
Elektrorollstuhls beträgt wie bei einem Fahrradfahrer 1,6 Promille.
Auch
einen solchen Fahrer gegenüber kann ein Fahrverbot verhängt werden,
jedoch nur dann, wenn er in der Lage ist, sich mit einem Hand
betriebenen Rollstuhls fortzubewegen, AG Löbau vom 7.6.2007 SVR 2008,
146 m. zust. Anm: Krumm.
Schwanger nach
anonymer Sex-Auktion
Das LG Stuttgart hatte über
folgenden Fall zu entscheiden: Eine Frau hat sich bei anonymen Sex-
Auktionen im Internet von mehreren Männern (im konkreten Fall sechs
verschiedene) ersteigern lassen und wurde nach Verkehr mit allen
Männern schwanger- und wußte nicht, von wem. Der Betreiber der
Internetseite wurde verurteilt, die persönlichen Daten aller Männer zu
nennen, und zwar im Interesse des noch ungeborenen Kindes an der
Feststellung der Vaterschaft, welches gegenüber der Geheimhaltung deren
persönlicher Daten als vorrangig beurteilt wurde. Der Auktionsvertrag
wurde als wirksam angesehen und "... unter Berücksichtigung der
liberalisierten Auffassungen, die sich heute allgemein durchgesetzt
haben", nicht als sittenwidrig bewertet. LG Stuttgart, Urteil vom 11.
1. 2008, FamRZ 2008, 1648.
Nach dem
1.1.2009 kann man kirchlich heiraten, ohne vorher standesamtlich
getraut worden zu sein (Personenstandsverordnung
BT-Drucksache 713/08). Wer so handelt, befindet sich zwar in einer von
Gott gesegneten Ehe, die aber vom Staat als nichteheliche
Lebensgemeinschaft angesehen wird. Das hat Konsequenzen: keine
Unterhalts- Erbrechts- und Zugewinnausgleichsansprüche. Dazu der
Aufsatz von Schwab in FamRZ 2008, 1121 ff.
Das hat der
Deutsche Bundestag beschlossen, weil man modernistisch und
scheingerecht den als diskriminierend angesehenen Zwang, erst
Standesamt- dann Kirche aufheben wollte. "Denn sie wissen nicht, was
sie tun" - ein Geniestreich des Gesetzgebers.
Ein Chirurg, 49, aus New York, so ein Artikel in der BZ vom 10.1.2009, der seiner Frau vor Jahren eine Niere gespendet hatte, verlangt diese Niere oder 1,5 Mio $ zurück, nachdem seine Frau wieder gesund sei und es ihr sogar so gut gehe, dass sie eine heimliche Affäre mit einem anderen Mann hatte und 2005 die Scheidung einreichte. Anm.: Wie und ob man das vor einer solchen Spende in einem Ehevertrag regeln könnte?
Falls die Ehefrau in der gesetzlichen Empfängniszeit sowohl mit ihrem Ehemann als auch mit dessen eineiigem Zwillingsbruder Geschlechtsverkehr gehabt und das Vaterschaftsgutachten eine gleich hohe Vaterschaftswahrscheinlichkeit für beide Männer erbrachte, so gilt der Ehemann als Vater des Kindes, Urteil des OLG Hamm vom 24. Juni 2008- 9 UF 132/05- FamRZ 2009,707.
Zuverlässigkeit im Bereich der
Deutschen Post AG
Der Verlust von
Briefsendungen bei der Deutschen Post AG ist heute weder unvorhersehbar
noch ungewöhnlich und daher im allgemeinen keinen Fall höherer Gewalt,
weshalb es nicht mehr gerechtfertigt ist, der „gelben Post“hinsichtlich
der Zuverlässigkeit einen ansonsten nur gehören entgegengebrachten
Vertrauensvorschuss zubilligen, entschied das VG Saarlouis am
31/03/2010-11 K 700/08.
Psychischer Unfallschaden eines
Hundes
Wenn
ein Hütehund aufgrund eines Unfalles nicht mehr zum Hüten und Treiben
einer Schafsherde geeignet ist, so ist diese unfallbedingte
Untauglichkeit (seelisches Defizit) als Eigentumsverletzung als
ersatzpflichtiger Schaden zu erstatten, AG Kirchheim/Teck 6.4.2009- 2 C
726/08 (Der Verkehrsanwalt 2009,117. Eine erfahrene Hütehündin war nach
dem Unfall ängstlich und suchte ständig Kontakt zur Bezugsperson und
war als „Arbeitswerkzeug“ nicht mehr einsetzbar. Zugesprochen wurden
1000 € als am unteren Rand dessen, was für einen ausgebildeten Hütehund
verlangt werden kann. Zugesprochen wurden außerdem die Kosten der
Untersuchung durch die tierpsychologischen und Mietkosten für einen
Ersatzhund bei einem Tagessatz von 5 €.
Von deutschen
Wissenschaftlern erfundene Geheimtinte im ersten Weltkrieg:
1 Tablette
Pyramidon, 1 Tablette Aspirin + 400 ml reines Wasser- so ein
französisches Dokument vom 14.6.1918 aus dem Washingtoner
Nationalarchiv- 95 Jahre geheim gehalten.
Waffenschein
für Gerichtsvollzieher?
Im Mai 2008 beantragt ein
Gerichtsvollzieher beim Justizministerium die Erteilung eines
Waffenscheins zum dienstlichen Gebrauch, die Probleme bei der
Durchsetzung der Zwangsvollstreckung durch Androhung von körperlicher
Gewalt und Beleidigungen, auch durch angetrunkene Schuldner, hätten
sich
vermehrt. Das Verwaltungsgericht Stuttgart – 5 K 521/10 – lehnte das ab;
der Gerichtsvollzieher sei nicht wesentlich mehr als die Allgemeinheit
gefährdet. In 12 Bundesländern seien keine Waffenscheine erteilt
worden, nur in Bayern 4,5 %. In Baden-Württemberg nur 14 von 566 Gerichtsvollziehern - 2,47 %.